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Berlin & Brandenburg"König Hinz": Tempel mit Opfergaben aus Bronzezeit entdeckt

14.10.2026, 15:29 Uhr
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Verbrannte Tierknochen, Keramikscherben und eine Bernsteinperle: An einem bronzezeitlichen Königsgrab haben Archäologen Spuren von Ritualen gefunden. Was wurde dort geopfert – und für wen?

Seddin (dpa/bb) - Archäologen haben am sogenannten Königsgrab aus der Bronzezeit im Norden Brandenburgs vermutlich einen Tempelbau mit Opfergaben entdeckt. "Wir gehen davon aus, dass das fast quadratische Gebäude für kultische und rituelle Zwecke genutzt wurde", sagte der Landesarchäologe und Direktor des Landesdenkmalamtes, Franz Schopper.

Der rund elf mal elf Meter große Bau liege in unmittelbarer Nähe des bronzezeitlichen Grabs von "König Hinz" und auf einem der höchsten Punkte des Geländes in Seddin in der Prignitz. Er stammt wohl grob aus dem Jahr 850 vor Christus, wie der Landesarchäologie ihn datiert.

Rund um die Grundmauern fanden die Forscherinnen und Forscher Scherben von Keramikgefäßen, verbrannte Tierknochen und feuerrot gefärbten Boden. "Der Tierleichenbrand und die verbrannte Keramik sind wahrscheinlich Reste von Brandopferhandlungen, die man aus der Bronzezeit in ganz Europa kennt."

Was wurde dort nahe dem Königsgrab geopfert? Und für wen?

Vermutlich waren in den großen Keramikgefäßen verschiedene Speisebeigaben für höhere Mächte und Naturgewalten, erklärt Schopper. Möglicherweise enthielten sie Getreide oder auch vergorene Fruchtweine. Die Analysen der verbrannten Tierknochen stünden noch aus: Denkbar seien Rinder, aber auch Wölfe sowie kleine Tiere wie Schafe und Ziegen.

In einer Grube sei bei den neuesten Grabungen zudem eine kleine Bernsteinperle gefunden worden - die erste in Seddin. Auch sie könnte Teil eines Opferrituals gewesen sein. Sie lege bronzezeitlichen Handel zu den Bernsteinküsten der Ostsee nahe und soll wie alle weiteren Ausgrabungen in diesem Herbst weiter untersucht werden.

Quadratisches "Templum" ist für die Bronzezeit ungewöhnlich

Der Fund sei insgesamt besonders, betont Schopper. Aber vor allem ein derartiger Bau zur Verehrung aus der Bronzezeit - der Archäologe nennt ihn "Templum" - sei für dieses Zeitalter herausragend. "Die Form ist äußerst ungewöhnlich und in der ganzen norddeutschen Bronzezeit bisher nicht bekannt."

Auf dem Gelände, das heute landwirtschaftlich genutzt wird, stand im 9. Jahrhundert vor Christus vermutlich eine bronzezeitliche Siedlung. Auf einer Fläche von rund 2.000 Quadratmetern sollen zwischen 200 und 300 Menschen gleichzeitig gelebt haben, vermutlich Zimmerleute, Metallgießer und andere Handwerker sowie Bauern.

Gab es "König Hinz" wirklich? - Grabschatz auf der Museumsinsel

Bisheriges Herzstück der Funde ist das international bekannte "Königsgrab", das im Jahr 1899 entdeckt wurde. Es gilt als eine der bedeutendsten Grabanlagen des 9. Jahrhunderts vor Christus und war damals kilometerweit auf einem Grabhügel sichtbar. Der entdeckte Grabschatz ist heute im Neuen Museum auf der Berliner Museumsinsel ausgestellt. Zu sehen ist zum Beispiel eine Amphore aus Bronze, die als Urne diente.

Ob hier wirklich ein König Hinz bestattet wurde - wie es die Sage besagt - sei unklar, sagt Archäologe Schopper. Hinz sei ein Name aus dem Volksmund und stehe für Heinrich: "Ein Allerweltsname. Später würde man vielleicht sagen König Fritz, also das ist einfach ein Spitzname." Da die Bronzezeit schriftlos war, gebe es keinerlei Aufzeichnungen zu dem mutmaßlichen Herrscher, und der Leichenbrand des Bestatteten sei im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen.

In einem gemeinsamen Forschungsprojekt graben Archäologen der Universität Göttingen und des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums Brandenburg immer wieder in Seddin, um weitere Erkenntnisse zum Leben in der Bronzezeit zu erlangen. Zuletzt hatte es unter anderem eine Förderung aus dem Kulturministerium in Brandenburg gegeben.

Quelle: dpa

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