Sogar Freiburg staunt

Schalkes Trainer überrascht mit bemerkenswerter Kritik

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12.10.2026 | 07:50 Uhr
18 Minuten lang taumelt der FC Schalke 04 beim SC Freiburg, danach fängt sich der Aufsteiger, gleicht aus und spielt später in Überzahl. Dass die Mannschaft die Partie in der Fußball-Bundesliga trotzdem verliert, nimmt der Coach auf sich.

Julian Schuster rastete kurz aus. Vor Glück. Der Trainer des SC Freiburg rannte nach dem Abpfiff aufs Spielfeld, drückte seine Spieler und feierte die Tabellenführung. Die hatten sich die Breisgauer gegen den FC Schalke 04 erzittert. Keisuke Goto drückte den Ball per Kopf nach 85 Minuten über die Linie. Der Sport-Club hatte da nach der Gelb-Roten von Yuito Suzuki schon über 20 Minuten in Unterzahl gespielt und wenig zustande gebracht, das auf einen Sieg gegen den Aufsteiger schließen ließ.

Später Erfolg in Unterzahl? "Spitzenreiter"-Gesänge der Fans nach dem Sprung auf Rang eins? Von alldem will sich der SC Freiburg indes nicht beeindrucken lassen. "Wir wissen das schon realistisch einzuschätzen", sagte Torschütze Maximilian Eggestein nach dem 2:1 (1:1) bei DAZN. Soll bedeuten? "Realistisch ist es wahrscheinlich, dass am Ende die Bayern wieder oben stehen werden. Wir wollen einfach weitermachen. Keine wilden Parolen raushauen, das hat uns die letzten Jahre auch nicht weitergebracht", forderte der Kapitän, nachdem zuvor Abwehrchef Matthias Ginter ähnlich nüchtern die Situation analysiert hatte, die Tabellenführung fühle sich "ehrlicherweise nicht besonders" an. 

"Ich war so glücklich darüber, wie die Jungs reagiert haben", erklärte Schuster seinen ungewohnt heftigen Ausbruch: "Wir sprechen oft darüber, wie man sich verhält, wenn es nicht läuft und welchen Fokus man auf die nächste Aktion hat, ob man zusammenbleibt, in Momenten, wenn es schwierig wird." Lange hatte es danach ausgesehen, dass es bei den Toren von Eggestein (10.) und dem Ausgleich durch Adrian Gantenbein (30.) bleiben würde. 18 Minuten hatten die Gastgeber das Spiel beherrscht, dann erhöhten die Schalker den Druck und die Zweikampf-Disziplin.

Muslic geht "all-in"

Den Sieg hatten die Freiburger auch einer falschen Einschätzung von Schalkes Trainer zu verdanken. Das fand Miron Muslic selbst und stellte sich hernach an den Pranger. "Ich habe die Statik verändert. Das hat der Mannschaft nicht gutgetan", erklärte der 44-Jährige und nahm die Niederlage auf seine "Kappe". Das "Momentum, das entstanden ist", habe er nutzen wollen. "Erstens durch unsere Leistung, zweitens durch die Gelb-Rote Karte". Er sei "all in gegangen". Unter anderem hatte er Routinier Edin Dzeko eingewechselt, später auch noch Hee-Chan Hwang. Doch die Freiburger schlugen zurück und bescherten Schalke die zweite Niederlage in dieser Bundesliga-Saison.

Die bemerkenswerte Selbstkritik seines Trainerkollegen nötigte Schuster derweil großen Respekt ab. Das sei "wahre Größe", sagte er über die Analyse von Miron Muslic. Das habe er selten so erlebt.

"Ich bin sehr, sehr enttäuscht, weil ein Punkt absolut drin war", resümierte Muslic, dessen Team nach fünf Spieltagen auf Tabellenplatz 13 liegt und vor allem bezüglich der Torgefahr weiter zulegen muss. Und auch die Spieler waren gefrustet: "Unser Plan ist eigentlich völlig aufgegangen. Das Spiel dürfen wir am Ende niemals verlieren. Mit einem Mann mehr waren wir vielleicht etwas gehemmt. Das tut extrem weh. Wir haben uns kaum Torchancen herausgespielt. Ich hatte nicht das Gefühl, dass sie ein Mann weniger sind", sagte Kenan Karaman bei Sky.

Verwendete Quellen: ntv.de, tno